Düsseldorf mit Strich und Farben

Monatliche Kolumne in der Westdeutschen Zeitung mit einer Zeichnung aus Düsseldorf und Texten von Carina Grode.

10|19 Ehrenhof

Ganz schön usselig draußen. Da huscht man besser schnell ins Museum und gönnt sich einen heißen Tee und gute Kunst. Es sei denn man ist ein Bronze-Nashorn. Dann kann man entspannt liegenbleiben und warten, bis man grün wird.

 


09|19 Ueckerplatz

Wenn es Abend wird, guckt der alte Hafenkran, ob die Luft rein ist. Dann quietscht er leise rüber zur Hammer Straße und holt sich eine Pommes. Aber nicht die mit Blattgold, rot-weiß reicht ihm völlig. Auf dem Rückweg versucht er, sich nicht in den Gehry-Bauten zu spiegeln.

 


08|19 Volksgarten

Im Volksgarten wurde der Wasserspielplatz neu gemacht. Die Nilgänse sind auch gleich mal gucken gegangen, aber der wasserspeiende Drache war ihnen nicht ganz geheuer. Deswegen stehen sie jetzt lieber wieder entspannt an ihrer Düssel.

 


07|19 Kirmes am Rhein

Mutprobe auf der Kirmes. Stufe 1: Gucken gehen und Reibekuchen essen. Stufe 2: Die Achterbahn mit den Loopings ausprobieren. Stufe 3: Rucksack packen und endlich mal der junge Mann sein, der zum Mitreisen gesucht wird.

 


06|19 Botanischer Garten

Ein Buch ist wie ein Garten für die Tasche, sagt ein Sprichwort. Aber viele Bücher machen die Tasche auch ordentlich schwer und dann ist ein richtiger Garten vielleicht doch ganz schön. Wie gut, dass es von der Unibibliothek bis zum Botanischen Garten gar nicht weit ist.

 


05|19 Immermannstraße

Kinder überblicken so manche Situation einfach besser. Obwohl sie so klein sind. Deswegen kann man sie gar nicht hoch genug heben. Höher als die ersten Balkons sollte der elterliche Schultersitz schon sein. Und dann gut zuhören.


04|19 Dreisegelbrunnen

Schade, dass Düsseldorf nicht am Meer liegt. Aber dafür hat die Stadt ja ihre Kunst. Zum Beispiel die drei Segel im Brunnen. Wenn man an der Ampel steht und die Augen zusammenkneift, ist das wie ein kleiner Hafen. Nur ohne die Möwen, die einem die Pommes aus der Tüte klauen.


03|19 Lorettostraße

Abendbrot macht Wangen rot. Und wenn man draußen sitzt, auch gleich noch Himmel, Häuser und Verkehrsschilder. Das muss man genießen – eh dann nachts wieder alle Katzen grau sind.


02|19 Kunstakademie

Kunst soll ja viel Arbeit machen. Kunst anschauen auch: Beim Rundgang geht die Schlange vor der Akademie fast bis zum Rhein. Profis kommen mit Schirm, Stuhl und Schneeanzug. So ausgerüstet lässt es sich gut warten. Am besten gleich bis zum Sommerrundgang, da ist es leerer.


01|19 Belsenplatz

Gute Vorsätze sollten auch wirklich gut sein. Mehr Schokolade essen zum Beispiel. Einfach mal den inneren Glücksschweinehund von der Leine lassen und zusammen zur Trinkhalle an der Ecke spazieren. Um dann Zeit und Raum ein bisschen wegschmelzen zu lassen.


12|18 Stresemannplatz

Die Tage werden immer kürzer. Nett von ihnen, dass sie ihr Kaltgrau so schnell wieder zusammenpacken. Und damit dem warmen Dunkel mit seinen Schimmerlichtern Platz machen, die uns den Weg in die weihnachtlichen Läden, zum Glühwein und aufs Sofa zeigen.

 


11|18 Stresemannplatz

Wie schnell die Bäume im Herbst doch ihre Blattfarbe wechseln! Wer Veränderungen nicht so mag, geselle sich einfach ein Weilchen zu den Palmen auf dem Stresemannplatz. Die bleiben erstmal bei ihrer grünen Punkfrisur.

 


10|18 Hauptbahnhof

Eine Litfaßsäule ist eine Säule, auf der so einiges draufsteht. Kunst zum Beispiel. Wie die Skulptur eines Fotografen, der den Vorplatz des Hauptbahnhofs im Blick behält. Und dabei so beharrlich ist, dass er es nicht mal bemerken würde, wenn ihn jemand zeichnete.


09|18 Fortunabüdchen

Ursprünglich gab es an Trinkhallen nur Mineralwasser. Doch die Welt wird ja immer komplexer. Zum Glück: Heute bietet so manch ein Büdchen das große Rheinblick-Menü aus Bockwurst, Bier und Fortunabrötchen. Inklusive Mauersitzplatz und Abendsonne im Gesicht.


08|18 Heinrich-Heine-Universität

Zuweilen stützen die jungen Leute in den Vorlesungen der Heinrich-Heine-Uni ihren Kopf mit der Hand ab. Das haben sie sich vom bronzenen Namensgeber abgeschaut. Eine schlaue Geste, die offenlässt, ob der Kopf so schwer vom Denken ist – oder von der kurzen Nacht.


07|18 Marktplatz

Auf dem Marktplatz lässt es sich herrlich Kuchen schnabulieren. Aber Vorsicht: Wer nicht aufpasst, dem mopst Jan Wellems Pferd das Gebäckstück vom Teller. Schließlich trabt es seit 300 Jahren auf der Stelle – da kann man schon mal Hunger bekommen.


06|18 Fürstenplatz

Den ganzen Winter lang hat der Bergmann am Fürstenplatz darauf gewartet, dass wieder Wasser im Industriebrunnen ist. Wenn keiner hinschaut, geht er manchmal kurz mit den Füßen rein. Dann glänzen sie wieder schön in der Sonne.