Düsseldorf mit Strich und Farben

Monatliche Kolumne in der Westdeutschen Zeitung mit einer Zeichnung aus Düsseldorf und Texten von Carina Grode.

03|19 Lorettostraße

Abendbrot macht Wangen rot. Und wenn man draußen sitzt, auch gleich noch Himmel, Häuser und Verkehrsschilder. Das muss man genießen – eh dann nachts wieder alle Katzen grau sind.


02|19 Kunstakademie

Kunst soll ja viel Arbeit machen. Kunst anschauen auch: Beim Rundgang geht die Schlange vor der Akademie fast bis zum Rhein. Profis kommen mit Schirm, Stuhl und Schneeanzug. So ausgerüstet lässt es sich gut warten. Am besten gleich bis zum Sommerrundgang, da ist es leerer.


01|19 Belsenplatz

Gute Vorsätze sollten auch wirklich gut sein. Mehr Schokolade essen zum Beispiel. Einfach mal den inneren Glücksschweinehund von der Leine lassen und zusammen zur Trinkhalle an der Ecke spazieren. Um dann Zeit und Raum ein bisschen wegschmelzen zu lassen.


12|18 Stresemannplatz

Die Tage werden immer kürzer. Nett von ihnen, dass sie ihr Kaltgrau so schnell wieder zusammenpacken. Und damit dem warmen Dunkel mit seinen Schimmerlichtern Platz machen, die uns den Weg in die weihnachtlichen Läden, zum Glühwein und aufs Sofa zeigen.

 


11|18 Stresemannplatz

Wie schnell die Bäume im Herbst doch ihre Blattfarbe wechseln! Wer Veränderungen nicht so mag, geselle sich einfach ein Weilchen zu den Palmen auf dem Stresemannplatz. Die bleiben erstmal bei ihrer grünen Punkfrisur.

 


10|18 Hauptbahnhof

Eine Litfaßsäule ist eine Säule, auf der so einiges draufsteht. Kunst zum Beispiel. Wie die Skulptur eines Fotografen, der den Vorplatz des Hauptbahnhofs im Blick behält. Und dabei so beharrlich ist, dass er es nicht mal bemerken würde, wenn ihn jemand zeichnete.


09|18 Fortunabüdchen

Ursprünglich gab es an Trinkhallen nur Mineralwasser. Doch die Welt wird ja immer komplexer. Zum Glück: Heute bietet so manch ein Büdchen das große Rheinblick-Menü aus Bockwurst, Bier und Fortunabrötchen. Inklusive Mauersitzplatz und Abendsonne im Gesicht.


08|18 Heinrich-Heine-Universität

Zuweilen stützen die jungen Leute in den Vorlesungen der Heinrich-Heine-Uni ihren Kopf mit der Hand ab. Das haben sie sich vom bronzenen Namensgeber abgeschaut. Eine schlaue Geste, die offenlässt, ob der Kopf so schwer vom Denken ist – oder von der kurzen Nacht.


07|18 Marktplatz

Auf dem Marktplatz lässt es sich herrlich Kuchen schnabulieren. Aber Vorsicht: Wer nicht aufpasst, dem mopst Jan Wellems Pferd das Gebäckstück vom Teller. Schließlich trabt es seit 300 Jahren auf der Stelle – da kann man schon mal Hunger bekommen.


06|18 Fürstenplatz

Den ganzen Winter lang hat der Bergmann am Fürstenplatz darauf gewartet, dass wieder Wasser im Industriebrunnen ist. Wenn keiner hinschaut, geht er manchmal kurz mit den Füßen rein. Dann glänzen sie wieder schön in der Sonne.